Entdeckungen in aller Welt

Masuren
















05/2013

Inhalt:

Geschichte
Top und Flop
Dönhoffstädt
Goldap
Orneta
Pyramide von Rapa
Reszel
Rothebude
Seesken
Mitgebracht




Hi! If you have any information about a Family KITZELMANN in Szeski (Seesken) or Magdalenenhof and around, please contact me.



Witamy z Mazur, Polski i reszty świata.

Rundfahrt

Tipps für die Strecke:


Danzig (A7 und N504) - Frombrok (N504) - Braniewo (N507 und N512) - Bartozyce (Übernachtung Hotel Stodola) - Sepopol (8 km) - Lwowiec (ein Dorf voller Störche) - Korsze - Drogosze (Schloss Dönhoffstädt) - Wegorzewo (Übernachtung am See) - Pyramide von Rapa - Goldap (Hotel Goldap) (N65) - Olecko (Hotel Mazurkie) - Czerwony Dwor (Nationalpark)  - Gizycko (Feste Boyen) - Wolfsschanze - Ketryn (Hotel Koch) - Heiligenlinde - Reszel - Galiny (Gutshaus von Eulenburg) - Kiwitten - Kloster Springbory - Marienburg (Hotel Centrum) - Elblag - Danzig

Für die vorgeschlagene Strecke durch Masuren benötigt man etwa 10 Tage für insgesamt 1.000 Kilometer. Aktuelle Straßenkarten sind dafür unverzichtbar, besonders wenn man abseits der üblichen Routen unterwegs ist. Masuren bietet viel Raum für eigene Entdeckungen. Man muss nicht dem Reiseführer folgen, und nicht alles wird man darin finden. Als gute Reisezeit sei der Monat Mai empfohlen. Bis in den April hinein sind ausgiebige Schneefälle keine Seltenheit.



Masuren Top


WiFi - denn das gibt es in fast jedem Hotel und sogar öffentlichen Parks, mal schnell, mal langsam. Aber es ist da!


Handy - denn, SIM-Karte kaufen (das Starterpaket für 5 Zloty), einlegen, fertig. Ohne komplizierte Anmeldung oder Registrierung.

Restaurants - weil die Speisekarten fast immer zwei- oder dreisprachig ist, und das selbst im kleinsten Dorf.


Masuren Flop


Straßen - weil hier zwar noch Europa ist, aber viele der Straßen kaum befahrbar sind. Der oft katastrophale Zustand erschwert nicht nur das Vorankommen, auch schwindet schnell das Interesse sich in sicher sehenswerte Gebiete zu begeben, oder abseits der üblichen Routen zu fahren. Wer mit dem eigenen Wagen unterwegs ist, der sollte sich über den Zustand der Straßen im Klaren sein. Das Fahren ist eine Qual und ein zügiges Reisen in den seltensten Fällen möglich. Bauarbeiten an den Straßen sind ein zusätzliches Ärgernis. Dortige Ampelregelungen führen zu Wartezeiten von bis zu 20 Minuten, die Baustellen sind kaum gesichert, so wie auch mancher Bahnübergang.

Parkschein - erhältlich am Kiosk


Restaurants - weil fast immer leer, meist schwer zu finden und überwiegend schlecht. Das oft gelobte maurische Essen ist zwar preiswert, ein Mittagsgericht kostet selten mehr als 20 Zloty, aber es ist auch billig, lieblos und fettig. Kebab und Pizza ist beliebt und entsprechen häufig anzutreffen. Ein gutes Restaurant wird man eher zufällig oder als Empfehlung in einem Guide finden.



Masuren erwartet uns nicht, wir müssen es im Wortsinne erfahren. Für unser Ziel ist selbst ein guter Reiseführer nicht genug. Auf der Suche nach Stammbaum und Geschichte der Familie sind andere Quellen gefragt. Der Guide vom Trescher-Verlag ist das Gerüst, alles Weitere findet sich in den Tiefen des Web. Alte Karten sind bei der Suche nach längst vergessenen Orten, Siedlungen und Höfen eine wertvolle Hilfe. Namen haben sich geändert, ehemals deutsche Bezeichnungen sind nun polnisch.

Mazury is not expected us, we must learn it in literal sense. For our purpose even a good guide is not enough. In search of family tree and family history are other sources required. The guide from Trescher-Verlag is the scaffold, everything else can be found in the depths of the web. Old maps are a valuable aid in the search for long forgotten places, settlements and farms. A lot of names have changed, former German names are now Polish.

Masuren, das "Land der Wälder und Seen" ist eher ein Land der Störche und Alleen. Das für den Besucher auffallendste Merkmal sind die großen Nester auf vielen Dächern und Masten. Die endlosen schmalen Alleen der Landstraßen. Und die Freundlichkeit der Menschen. Dieses Land hat eine lange und bewegte Geschichte. Das viel zitierte Ostpreußen, das eigentliche Stammland der Prußen, wurde eine Provinz des Königreichs Preußen.

Masuria, the "land of forests and lakes" is rather a land of storks and avenues. The most striking feature for the visitors are the large nests on many roofs and towers. The endless narrow alleys of the roads. And the friendliness of the people. This country has a long and storied history. The much-quoted East Prussia, the actual home country of the Prussians, became a province of the Kingdom of Prussia .


Geschichte von
Ostpreussen

Mit dem Namen Masuren bezeichnet man den südlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, einem Teil des Baltischen Höhenrückens zwischen Kernsdorfer Höhe im Südwesten und dem Hochland bei Goldap im Nordosten nahe der Grenze zu Russland. Bis 1870 war die Landschaft als Galinden bekannt erstmals 1231 als Galindo erwähnt, vom prußischen Stamm der Galinder bewohnt. Die Prußen (Pruzzen), oder Altpreußen waren ein baltischer Volksstamm, Heiden, die einen Vielgötterhimmel verehrten.


With the name Masuria so is called the southern part of the former East Prussia, a part of the Baltic hills between core high in the southwest and the highlands near Goldap in the northeast near the border with Russia. By 1870, the landscape was known as Galindow, first mentioned in 1231 as Galindo. Inhabited by the tribe of the Old Prussian Galindians. The Prussians (Prussians), or Altpreussen were a Baltic tribe, pagans who worshiped a lot of gods in heaven.

Hochmeister des
Deutschen Ordens
Marienburg
Der Deutsche Orden, dessen Anfänge in Akko im Heiligen Land seit dem erfolglosen  Dritten Kreuzzug   (1189–1192) unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus den verschiedenen christlichen Bruderschaften (für die Krankenpflege) entstanden war, hatte es für sich eingenommen Das eigentliche Ziel, die Rückeroberung Jerusalems war durch den Tod Friedrich I. am 10.6.1190 gescheitert, ein großer Teil des Heeres der Deutschritter kehrte danach auf dem Seeweg in die Heimat zurück. Ihnen wurde im Jahre 1211 vom ungarischen König Andreas II. als Siedlungsgebiet das Burzenland vergeben, eine Gegend im Südosten Siebenbürgens. Doch schon 14 Jahre später wurde der Orden wieder vertrieben, nachdem er dort einen von Ungarn unabhängigen Ordensstaat aufzubauen versuchte.

Doch es ergab sich eine neue Gelegenheit. Konrad von Masowien (einem Gebiet um Warschau) hatte vergeblich versucht, das von Prußen bewohnte angrenzende Kulmerland zu erobern. Seine Bitte um militärischen Beistand brachte den Deutschen Orden auf den Plan. Konrad gab die Zusage für dieses Gebiet und darüber hinaus für alle weiteren Ländereien, die von den Deutschrittern künftig erobert würden. Dies wurde in der Goldenen Bulle von Rimini durch den Römischen Kaiser Friedrich II. vertraglich besiegelt. (Daß Polen diese "Schenkungen" von fremden Gebieten nicht anerkennt, ist verständlich). Nach der Gründung 1230 der ganz im Süden gelegenen, an das Gebiet Kujawien grenzende Stadt Thorn (als Erinnerung an die Kreuzfahrerburg Toron im Heiligen Land an der Straße von Tyrus nach Damaskus, im heutigen Libanon) und Kulm (1234), dem heutigen Chelmo (und seit 1215 Sitz Christians, des ersten Bischofs von Preußen), wurde durch Papst Gregor IX. in der Bulle von Rieti (3. August 1234) die Schenkung gesichert. 1237 wurde die Stadt Elbing (Elblag) gegründet, 1255 Königsberg.  Ab 1283 war das bisher von den Prußen besiedelte Land schließlich im Besitz des Deutschen Ordens. Erst 1409 mit der Schlacht von Tannenberg begann der Anfang vom Untergang des Ordens im Prußenland.

Am Beispiel der Gebiete um Goldap und Seesken, den nordöstlichsten Zielen unserer Reise durch Masuren, wollen wir uns der Geschichte Masurens und auch der eigenen Familiengeschichte nähern.

Wie eingangs erwähnt, ist für eine solche Reise unverzichtbar historisches Kartenmaterial, das auch entsprechend umgesetzt werden muss. Dies gilt vor allem für die wechselnde Namensgebung von Städten, Ortschaften, Gewässern und Landschaften. Für die Praxis als ideal erweist sich die zweisprachige touristische Landkarte „Ermland und Masuren“, mit historischen Ortsnamen aus dem Jahre 1933. Frühere Karten, wie Goldap und Umgebung von 1838 oder Gumbinnen und Umgebung von 1839 finden sich im Internet und geben weitere Orientierungshilfen. Historisch betrachtet, ist Masuren natürlich auch eng mit Deutscher Geschichte verbunden. Auf diese Spuren wird man häufig stoßen, besonders in Kirchen mit deutschen Inschriften im Innern. 







Dönhoffstädt / Drogosze


Wappen über dem Haupteingang

Von Korsze 10 Kilometer weiter östlich auf der Straße 590 ist der kleine Ort Drogosze mit dem beeindruckenden Barockpalast der Familie Dönhoff aus dem 18. Jahrhundert. Das gewaltige Anwesen in einem gepflegten Park wirkt fast so, als sei es erst vor kurzem verlassen worden. Aber es ist nur die Hülle für den langsamen Verfall in seinem Innern.

Schloß Dönhoffstädt

Für unsere Reportage erhalten wir Einblick in eine versunkene Welt des deutschen Adels. Stuck und Deckenmalereien lassen trotz des schlechten Zustands die einstige Pracht in den Räumen erahnen. Und in der ehemals größte Residenz in Ostpreußen finden sich in dem imposanten Bau die (symbolischen) Sarkophage und Gedenktafeln der letzten Beisitzer. Links Stanislaus Graf von Dönhoff (*17.07.1862 in Königsberg - †24.01.1929 in Königsberg), rechts von Angelika Gräfin zu Dohna, geb. Gräfin von Dönhoff (*09.03.1794 - †24.06.1866). Bis 1816 war die Familie Dönhoff die Herren über den Gutsbezirk. 1863 kam das Anwesen (bis 1945) in den Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode.



Mausoleum im Schloss Dönhoffstädt

An der Wand die Tafeln der Marianne Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, geborene von Romberg, *22.01.1822, 14.12.1884, verheiratet mit Konrad Graf zu Stolberg-Wernigerode, und ihr schon früh verstorbener Enkel, Werner Graf zu Stolberg-Wernigerode, *28.08.1883, 25.09.1884, Sohn von Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode.










Goldap
Wappen Goldap
Die ganz im Norden von Masuren, nahe der Grenze zu Russland, südlich am gleichnamigen Fluss liegende Stadt Goldap (Stadtrechte seit dem 14. Mai 1570) hat heute knapp 14.000 Einwohner. Erstmals erwähnt in einer Urkunde als Hof Goldapp (vom prußischen „galda, galdo“ = Mulde und „ape“ = Fluss) wurde der Ort 1551, um dem 14 Jahre später die Stadt gegründet wurde. Der herzogliche Kammerrat Kaspar von Nostitz (*um 1500, 22.03.1588) wird als Gründer genannt. Erste nachweisbare Siedlung im Kreis Goldap war der 1530 angelegte Hof Gehlweiden. Das Wappen der Stadt zeigt ein schräg platziertes Hohenzollernschild, dazu den oberen Teil des roten Adlers mit den Anfangsbuchstaben „S“ auf der Brust (für Sigismund Augustus. König von Polen, geb. 1. August 1520,  17.Juli 1572).


Stadtplan Goldap / Mapa miasto Goldap
Quelle: Touristenbüro der Stadt Goldap

Von Danzig nach Goldap sind es knapp 400 Kilometer. Die Fahrt über Landstraßen ist zum Teil recht mühsam, viele sind in einem schlechten Zustand. Goldap selbst ist eine angenehme Stadt mit einem zentralen Marktplatz und nicht weit entfernt von der Grenze zu Russland. Knapp 6 Kilometer sind es zum Grenzübergang. Ohne Visum kommt man hier nicht mehr weiter, aber Goldap hat mit der Öffnung der Grenze 1995 einen kleinen Aufschwung erlebt. Im Zentrum von Goldap ist der große Markt, um den sich die Häuser gruppieren. Hier, auf dem zweitgrößten Markt Ostpreußens, stand am Südende die Neue Evangelische Kirche (erbaut 1778), ein neugotischer Ziegelbau mit einem 148 Meter hohem Turm. 


Goldap - Neue Kirche, ca 1952
(Quelle: Das Ostpreußenblatt,  05.09.1953)

Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört und war bis auf den Turm ausgebrannt. 1956 wurde dieser Rest der Kirche abgerissen und der zentrale Platz eingeebnet. An dieser Stelle befanden sich bis zum Kriegsende auch Rathaus, Amtsgericht und Gefängnis.


Goldap - zentraler Marktplatz
ca. 1930

Das heutige Rathaus (Magistrat) ist an der nordwestlichen Ecke des Marktplatzes. Gleich daneben die Touristeninformation. Ein großer Supermarkt (TESCO) ist am Südwestende des Marktes. Ein Stück weiter im Komplex der ehemaligen (zum Teil auch noch genutzten) Kasernen ist das Gymnasium und ein Museum (geöffnet Dienstag-Freitag von 10:00-14:00 Uhr. Tel.: 602845217). Eines der wenigen Bauwerke, die den Krieg unbeschadet überstanden haben ist der Wasserturm. Die Danziger Firma A. W. Müller ließ ihn 1905 zur Wasserversorgung der Stadt errichten. Zuvor wurden die Einwohner aus neun kommunalen Pumpen mit Wasser versorgt. Mit über 46 Meter Höhe konnte sein Wassertank 250 Kubikmeter Wasser aufnehmen. In Betrieb bis 1986 wurde schließlich wegen Rissen im Tank die Nutzung eingestellt. Als eines der wenigen Gebäude hatte er die beiden Weltkriege fast unbeschadet überstanden, nun drohte der Turm zu verfallen. Erst 2008 wurde er durch private Initiative des Henryk Gorny restauriert und 17.07.2009 wieder eröffnet.. Eine Aussichtsplattform wurde angebracht und heute befinden sich im Erdgeschoss ein Cafe und ein Souveniergeschäft. Geöffnet Mai und September 10:00-18:00 Uhr, Juni 10:00-20:00 Uhr, August 10:00-22:00 Uhr.


Wieza Cisnien
In der Ul. Szkolan, der früheren Schulstraße (ein Stück östl. von Marktplatz) befand sich seit 1823 die Synagoge von Goldap. Ein Gedenkstein erinnert daran, sie wurde in der "Kristallnacht" von Nationalsozialisten angezündet und zerstört. Die Inschrift: "To commemorate members of Goldap Jewish community, the victims of Nazism in years 1933-1945. The obelisk was erected in the place of the synagogue burnt by the Nazis durin the Crystal Night 9/10. November 1938". An der Straße Cmentara ein Stück oberhalb vom Fluss Goldap ist der kleine Jüdische Friedhof, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Als Folge der Zerstörung während des 2. Weltkriegs blieben nur die Fundamente von etwa 20 Grabsteinen erhalten.  Lesbar sind noch Rebecca Silberstein und Ester Susskind. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Goldap wohl etwa 100 Juden. Gegenüber der recht gut erhaltene deutsche Friedhof mit einer Erinnerungstafel an die 16 Generationen deutscher Einwohner. Die Inschrift des 1992 aufgestellten Gedenksteins lautet: "Zum Gedenken an 16 Generationen deutscher Bürger, die in Goldap lebten und wirkten".


Goldap im 1.Weltkrieg
Quelle: Goldap z bliska
Zerstört und wieder aufgebaut wurde Goldap mehrfach in seiner Geschichte. Im August 1914 wurde die Stadt von russischen Truppen besetzt. Zu Beginn des 1. Weltkriegs hatte Goldap etwa 450 Häuser, davon wurde während der Besatzung 150 verbrannt, andere wurde geplündert oder zerstört. 

"Oskar Christ schreibt im "Berliner Lokalanzeiger":


Zerstörung von Goldap

Lange Wochen hindurch war es nicht möglich, nach dem Städtchen Goldap zu kommen, das zweimal unter der Russen-Invasion ganz besonders stark zu leiden hatte. Erst nach der Entscheidung der großen Winterschlacht in Masuren konnte auch jener Theil unserer Ostmark wieder dem, wenn auch noch beschränkten Verkehr freigegeben werden. Im Bahnhofshotel hatte ich einen Besitzer kennen gelernt, der mit eigenem Auto nach seinem hinter Goldap gelegenen Gute fahren wollte, um zu sehen, was die "Rußkis" übrig gelassen hätten. Das war mein Mann. Er hatte für meine Wünsche volles Verständnis und wollte mich gratis und franko bis Goldap mitnehmen. Im "Deutschen Haus" schlugen wir unser Nachtquartier auf [...]. Am nächsten Morgen, als schon die Sonne vom blauen Himmel herniederstrahlte, fuhren wir los. Überall dasselbe Bild, das die von der Russeninvasion am schwersten betroffenen Theile der Ostmark bieten. Zerstörte, meist ganz verlassene Dörfer, Ruinen überall, ab und zu auch militärische Stellungen, sowie bei der Aufräumung vergessene Überbleibsel.

Endlich kamen wir in Goldap an. Es wird im Osten behauptet, daß außer Lyck und Schirwindt Goldap am meisten gelitten habe. Das dürfte wohl stimmen, denn was ich in Goldap gesehen habe, war einfach trostlos und übersteigt alle Befürchtungen. Zweimal waren die russischen Horden in Goldap. Beim ersten Einfall, wo die Truppen noch der festen Überzeugung waren, daß sie ein paar Tage später Berlin "brennen" würden, schonten sie Goldap, das sie ja für "Väterchen" erhalten wollten. Dann wurden die Russen herausgejagt und das Städtchen kam noch glimpflich davon. Anders beim zweiten Male. Da nahmen die Horden kein Rücksicht, Tataren, Kalmücken, Tscherkessen, Kirgisen und andere asiatische Räuberbanden wurden auf das Städtchen losgelassen. Es wurde geplündert und gebrannt, sinnlos verwüstet, Menschen weggeschleppt und gemordet. Was von der Civilbevölkerung geblieben war, es waren allerdings nicht allzu viele, wird diese Tage nie vergessen. Gar mancher Goldaper hat in einer Nacht weiße Haare bekommen. So haben die Banditen eine 86 jährige Frau totgeschlagen. Auf dem Hof ihres kleinen Grundstücks mitten in der Stadt wurde sie eingescharrt.


Die Stadt selbst ist stark zerschossen und verbrannt. Ganz besonders hat der Markt gelitten. Alle vier Seiten gleichen Trümmerhaufen, und es gibt wohl kein einziges Haus, das ganz unversehrt geblieben. Am besten weggekommen sind noch das Landrathsamt, das Amtsgericht und das Rathhaus. Die Kirchen sind im Innern völlig verwüstet und haben den Russen zum Theil als Pferdeställe gedient., zum Theil wurden sie aber auch später für den orthodoxen Gottesdienst hergerichtet. Selbst vor dem Krankenhaus, das doch dem Dienst der Barmherzigkeit dient, die weder bei Freund noch Feind einen Unterschied macht, machte die russische Soldadeska nicht halt. Innen wie außen zeugt es von dem Vandalismus der Asiaten. Auffallend ist es, daß die Russen sämtliche Dampfkessel in Goldap sprengten, die Wasserleitung vernichteten; sie vermutheten wohl irgendwelches "Teufelswerk". In einzelnen Wohnungen, die sie scheußlich verwüsteten, schütteten sie Pulver in die Öfen, sodaß sich später, als unsere deutschen Leute Feuer machen wollten, Unglücksfälle ereigneten. Das einzige Vernünftige, was die Russen in Goldap machten, war eine allerdings primitive elektrische Leitung für Beleuchtung, die sie rings um den zerstörten Marktplatz legten."


(Quelle: Tägliches Cincinatter Volksblatt, Freitag, den 23. April 1915)


Fast hundert Jahre zuvor war die Stadt schon einmal Zerstörung erlitten: beim großen Brand 1834. Im Amtsblatt der Regierung von Potsdam wird in einem Aufruf zur Hilfe das Leid und der Schaden in der Stadt deutlich:


"Aufruf zur Wohlthätigkeit.

In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober d.J. (1834) ergoß sich mit einem heftigen Südwinde, von dem im Süden der Stadt Goldapp stehenden Scheunen, urplötzlich ein Feuerstrom. In kaum einer Stunde standen in der westlichen Stadthälfte 106 Vordergebäude, einschließlich Rathaus, Gerichtshaus, Stadtschule, Apotheke, ungefähr 4mal soviel Hintergebäude, 30 Scheunen und einige Roßmühlen in Flammen. Die Eile des Feuerstroms überbot jede Bemühung. Über den in einen gleichseitigen Vierecke von 250 Schritten erbauten Markt strömte eine solche Glut, daß nur die entschlossentsten und kräftigsten Personen durchzudringen wagten; und dieser Feuerstrom trennte die Ostseite der Stadt von der Westseite, daher zur Rettung kein Beistand möglich war. Die bessere Hälfte der Stadt liegt in Trümmern. Ein Gemälde von dem Verluste und der mannigfachen Noth der betroffenen 291 Familien ist unmöglich zu entwerfen. Zur Milderung der augenblicklichen Noth bitten wir um geneigte Beiträge, welcher Art sie auch sein mögen. In Berlin ist die Haude und Spenersche Zeitungsexpedition* bereit, Geldbeiträge in Empfang zu nehmen.

Goldapp, den 17. Oktober 1834

Der Unterstützungs=Komitee
Behrend, Bürgermeister. Bolok, Ältester der Stadt und Rathmann. Büttner, Justizamtmann. Sülke, Kaufmann. Schulz, Kaufmann und Rathmann. Schröder, Superintendent. Seemann, Landrath."

*Haude und Spener ist Berlins ältester Verlag und wurde 1614 gegründet. Schwerpunkt der Themen sind Berlin und Brandenburg. Das Privileg zur Eröffnung einer Verlagsbuchhandlung erhielten die Brüder Samuel und Hans Kalle von dem brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund. 1615 brachte der Verlag sein erstes Buch heraus.


Goldap am Marktplatz ca. 1919
Quelle: Zentralblatt der Bauverwaltung 1919, Nr.17
Hrsg.: Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 

Auf einem Hügel nördlich vom Markt befindet sich in einem Kirchhof die Alte Kirche von Goldap. In seinem Band „Bau- und Kulturdenkmäler der Provinz Ostpreußen“ (Heft V. Masuren) von 1896 beschreibt der Autor Adolf Boetticher den damaligen Zustand:

„Die evangelische Pfarrkirche (Alte Kirche) liegt auf einem Hügel , dessen eingegangener Kirchhof jetzt zu schattigen Anlagen benutzt wird.  Wann sie gebaut, ist ungewiss; 1568 war schon ein Prediger daran, was aus einem Schreiben des Herzogs vom 30. April hervorgeht. Die jetzige Kirche, deren Patron der König ist, im Äußeren etwa 28 Meter lang, 13 Meter breit, mit vorgelegtem Turm von 11 Metern Seite und im Osten angebauter Sakristei. Sie  ist aus geputzten Feldsteinen gebaut und hat zwei diagonale Strebepfeiler an der östlichen Seite und einen rechtwinkligen an der rechten westlichen Ecke. Turm mit zwei diagonalen Strebepfeilern im Westen, zwei rechtwinkligen nach Osten zu. Vorhalle im Süden 1706 erbaut. Rechteckige Fenster in Tudorumrahmung; die Kirche hat fünf Fensterachsen. Eingangstüren im Stichbogen. In dem südlichen Strebepfeiler des Turms sind einige Steinkugeln eingemauert. Im übrigen genügt wohl unsere Autotypie. 

Erneuerungen und Ausbesserungen der Kirche 1668, 1749, 1750, 1789, 1887. 

Im Innern flache Holzdecke. De Altar mit der Kanzel vereint ist eine Schnitzarbeit von Bildhauer Pfeffer aus Königsberg im Jahre 1700. In der Predella das plastische Abendmahl. Kanzel aus dem Achteck geschnitzt, mit gewundenen, korinthischen Säulchen an den Ecken, in den Feldern der Erlöser und die vier Evangelisten, plastisch. Daneben stehen an Pilastern links ein Apostel mit Buch, rechts Lukas, Rankenwerk mit Troddeln und Engelchen, welche die Quasten halten. Darüber verkröpftes Gebälk, auf dessen Sims links Markus und ein Apostel steht. Rechts ein Apostel und Johannes. Schalldeckeln mit Engeln, welche die Marterwerkzeuge halten, darauf der Kruzifixus. Krönung: ein sich die Brust aufbeißender Pelikan, umgeben von Wolken. Kanzeltreppe mit den Aposteln in den Feldern zwischen Ranken, Treppentür zwischen zwei gewundenen, korinthischen Säulen mit einem plastischen Ecce-Homo. Eine weibliche Figur als Krönung. Zwei zinnerne Altarleuchter (werden in der Superintendentur) aufbewahrt) auf je drei Füßen. Auf dem Ringe über dem Fuße steht in erhabener Schrift: Gottes Seegen machet reich onne Myhe und Arbeith gleich. 1709. Johann Klaus. Maria Klausin. Lat. Majuskeln.....

...Orgel von Sauer-Frankfurt an der Oder 1880 gebaut. (Eine alte Orgel wurde 1784 nach Janclowen in Polen verkauft und eine neue von Braweleit und Mirau, die bei dem verstorbenen Hoforgelbauer Casparini in Königsberg beschäftigt waren, gebaut).


Die messingnen Kronleuchter mit der Inschrift: „Ich George Kraus verehre diese Krohn in der Goldapschen Kirche 1640“ und: „Ich Jacob Kelminck Bürger und Loosbecker habe diese Krohn zu Ehren wider machen lassen Anno 1663“, sowie ein hölzerner Hrschkopf mit der Aufschrift: „16. J 39.R“ (Johann Rehe, Bürgermeister) hängen nicht mehr in der Kirche.....


Pfarrer Daniel Wilhelm
Schröder
...Gemälde in der Kirche: Georgius Henricus Gloger Past. Polon. Et Diac. Germ. Goldap per 52 annos nat. d.8. April 1686. Ordin. d. 16.Octobr. 1711. Introd. Dom. 1. Advent. Denat. d. 14. May 1763 sanguine ictus. – Gutes Ölgemälde des Superintendenten Schröder*, Verfasser der Beschreibung Goldaps im Pr. Archiv und der Chronik G. in d. P.P.B.“


*Daniel Wilhelm Schröder (*02.04.1770 in Goldap, †1843), Rektor in Goldap 08.03.1792, Pfarrer (31.1.1808-1843) an der Alten Kirche und Superintendent (21.11.1821) des Kreises Goldap, verfasste eine Chronik über Goldap, sein Porträt hing in der Alten Kirche.

(zur besseren Lesbarkeit wurde einige Abkürzungen vervollständigt)

Den reformierten Glauben (aus evangelisch-reformierte Kirche) war durch Kolonisten aus Frankreich, der Schweiz, aus Nassau und der Pfalz nach Goldap gebracht worden. Die Gemeinde wuchs, als 1715 55 nassauische Familien zugezogen waren. 

Goldap hat heute etwa 14.000 Einwohner, ein paar Hotels und Restaurants und eine kompetente Touristeninformation (Tel.: 6152090). Ein Sanatorium befindet sich etwa 3 km nördlich der Stadt. Das alte Bahnhofsgebäude erinnert an die ehemalige Bahnverbindung Insterburg-Goldap-Lyck, die 1879 eingeweiht worden war, mittlerweile aber eingestellt ist. 



Goldap ca. 1919
Quelle: Zentralblatt der Bauverwaltung 1919, Nr.17
Hrsg.: Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 

Die Preussische Statistik von 1869 hatte dazu schon vermerkt:

"Wichtiger als die Thorn-Insterburger Bahn ist für den hiesigen Platz ein Bahn von Insterburg über Darkehnen und Goldap nach Marggrabowo, durch welche derjenige Theil Masurens, der mit der Eröffnung der Königsberg-Lycker Bahn nach dem hiesigen Handel als Hinterland verloren ging, ihm wieder zugeführt würde."


Nordöstlich von Goldap befindet sich das Landschaftschutzgebiet "Rominter Heide" (poln. Puszcy Rominckiej), mit einem Gesamtareal von mehr als 40.000 ha. Früher ein überaus beliebtes Jagdgebiet für die preußischen Landesherren. Die russisch-polnische Grenze durchtrennt heute dieses Gebiet, wovon zweidrittel auf russischer Seite liegt. Im Dritten Reich hatte Hermann Göring die Rominter Heide als "sein" Jagdgebiet in Anspruch genommen.



Goldap und Umgebung

Übernachten in Goldap:
das Hotel Goldap, Plac Zwyciestwa 2, am südöstlichen Ende des Marktplatzes, das Doppelzimmer für etwa 31 Euro inklusive Frühstück. Die günstige Lage (man wird das Hotel schnell finden) und die angenehmen Zimmer sprechen für die Übernachtung dort. WLAN ist in Polen schon fast selbstverständlich, so auch in diesem Hotel. Die Betten allerdings (diese Art wird man in Masuren häufig vorfinden) sind schmal und etwas unbequem. Am Morgen wird ein reichhaltiges Frühstück serviert.







Orneta / Wormditt
Wappen Orneta
Eberhard von Neisse (*1250 in Neisse,  25.Mai 1326 in Heilsberg) setzte sich als Bischof von Ermland für die Besiedlung seines Bistums im Sinne des Deutschen Ordens ein.  So gilt er als Gründer der Stadt Wormditt, heute Orneta, die mit Zuwanderern aus Schlesien besiedelt wurde. Heute hat Orneta etwa 10.000 Einwohner. Zuvor stand hier eine Prußische Burg namens Orneta und eine Siedlung. Am 26. März 1313 erhielt der Ort die Stadtrechte. Im Zentrum der Marktplatz mit einem gotischen Rathaus. Darum gruppieren sich Häuser aus dem 17. und 19. Jahrhundert mit Arkaden. Daran grenzt die Katholische Kirche, ein gewaltiger gotischer Backsteinbau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts (1338-1349), erbaut während der Regierungszeit von Hermann von Prag, Bischof vom Ermland (*1280 in Prag, † 31. Dezember 1349 in Wormditt)

Mapa miasto Orneta
Stadtplan Orneta


Übernachten in Orneta
Das Hotel Pruski, Adresse Ul.1 Maja 57 in Orneta ist ein ruhig gelegenes Hotel nicht weit vom Zentrum und für etwa EUR 45.-- pro Doppelzimmer und inkl. Frühstück ist man hier gut untergebracht.





Pyraymide von Rapa / Kleinangerapp
Koordinaten:
54.309897°N 22.021604°E
Mitten im Wald befindet sich ein eigentümliches Bauwerk. Im Stil einer Pyramide hat sich hier Fritz von Farenheid, ein liberaler ostpreußischer Adliger und Pferdezüchter, das Grabmal für seine Familie gebaut. Geboren am 1. Oktober 1815 in Angerapp war er Rittergutsbesitzer bei Beynuhnen und Mitglied der Königlichen Akademie für Künste. Er starb am 8. Juni 1888. Das Gut in Klein Beynuhnen (heute Uljanowskoje bei Kaliningrad) hatte sein Großvater Friedrich Wilhelm Johann von Farenheid (1747-1834) im Jahre 1793 erworben. Zum damals zweitgrößten Privatgestüt in Europa baute dessen Sohn Friedrich Heinrich Johann den Komplex aus. Sein Erbe Fritz ließ schließlich ein großes Schloss errichten (seit den 1970er Jahren abgetragen) und präsentierte dort eine bedeutende Kunst- und Antikensammlung, darunter Arbeiten von Raffael, Tizian und Rubens.

Das Schloss Beynuhnen im gleichnamigen Ort (heutiger Name Uljanwskoje), wurde zwischen 1850 und 1864 errichtet. Zunächst der Ostflügel, ab 1860 der Westflügel und Mitteltrakt. Albert Wolf, ein Schüler Schinkels war der Architekt.  Ab 1884 wurde der Ostflügel für Besucher als Museum zugänglich gemacht. 1945 wurde das Schloss von der Roten Armee gesprengt, die Sammlungen entfernt oder zerstört. Bis auf wenige Ruinenreste ist heute von dem Bau nichts mehr vorhanden.

Reisen in den Orient müssen ihn zu dem Pyramidenbau inspiriert haben. Die Pyramide hat eine Höhe von knapp 16 Metern und die Form eines Quadrats von jeweils 10,4 Metern Länge. Entworfen wurde sie von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorwaldsen, einer der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus in Europa.

Ein kurzer Waldweg führt von der Straße und einem kostenpflichtigen (bewachten) Parkplatz zu dem Mausoleum. Das Familiengrab war zunächst von Fritz von Farenheid für seine schon im Alter von drei Jahren verstorbene Tochter errichtet worden.


Rapa liegt auf halbem Weg zwischen Wegorzewo/Angerburg und Goldap. Man erreicht den Ort mit der Pyramide über die Straße 650 (bis Banie Mazursky). Von hier sind es noch etwa 7 Kilometer in nördlicher Richtung.



...von außen...
..und von innen
Pyramide von Rapa

Mausoleum der Familie von Farenheid






Reszel / Rößel


Stadtplan Reszel / Mapa miasto Reszel

Koordinaten: 54.05061°N 21.14437°E
Reszel liegt etwa 4 km westlich von Heiligelinde an der Straße 590 und 594 am Sajna-Fluss, der in nordwestlicher Richtung an der Stadt vorbeifließt.

Erstmals erwähnt 1241 wird der Ort mit der Beschreibung einer Holzwarte, errichtet durch Ritter des Deutschen Ordens. Aber schon acht Jahre später kam es zu Zerstörungen bei den Aufständen der Pruzzen. 1249 wurde der Ort wieder aufgebaut. Immer wieder erneuert wurde die Wehranlage 1273 den Bischöfen von Ermland übergeben. Nach 1300 ließen sich Bürger aus der Umgebung von Brandenburg hier nieder und begannen mit der Besiedlung des Landes. Am 12. Juli 1337 stellte das ermländische Domkapitel die Handfeste nach dem kulmischen Recht aus. Hundert Jahre später, 1350, wurde unter Bischof Johannes von Meißen mit dem Bau einer Burg aus Backstein begonnen, 1375 wurde die Burg unter dem Bischof Heinrich Sorbom vollendet.


Burg von Reszel

1505 residierte Bischof Lukas Watzenrode, der Onkel von Nikolaus Kopernikus und Fürstbischof des Ermlandes auf Reszel. Das Schloß Rößel war bis 1772 Sitz eines bischöflichen Burggrafen, der das Kammeramt Rößel verwaltete.

Eng mit der Geschichte der Burg verbunden ist die letzte urkundlich erwähnte Hexenverbrennung in Europa. Der Magd Barbara Zdunk wurde vom Preußischen König Friedrich Wilhelm III. zum Tode verurteilt, nachdem sie fünf Jahre im Kerker der Burg wegen Brandstiftung verbringen musste. Ihr wurde Hexerei und ein Brand vorgeworfen, der am 17. September 1807 fast die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Hexerei war zwar zu dieser Zeit in Preußen kein Straftatbestand, dennoch - vor den Toren von Reszel wurde sie am 21. August 1811 auf einem Scheiterhaufen verbrannt, zuvor vom Scharfrichter erwürgt, um ihr Leiden zu ersparen.

An der Ostseite der Burg von Reszel ist ein empfehlenswertes Restaurant, die Burgschänke. Das "Restauracja Zamkowa" ist enstprechend der historischen Umgebung eingerichtet.

Das klassizistische Rathaus im Zentrum der Stadt stammt aus dem Jahr 1816, nach einem Brand in den Jahren zuvor wurde es auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut. Es befindet sich mitten auf dem Markt, die Vorderfront des Hauses ist nach Westen ausgerichtet. Seit 1822 sind dort ohne Unterbrechung die städtischen Behörden untergebracht. Über dem Eingang ist das Wappen der Stadt angebracht.

Im Gegensatz zu anderen Ostpreußischen Städten war Reszel im 2. Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. So findet man hier eine noch größtenteils intakte mittelalterliche Baustruktur. 





Übernachten in Reszel

Hotel Zamek Reszel KreativUl. Podzamcze 311-440 Reszel - Warminsko-Mazurskie
ab EUR 65,--

Das Hotel befindet sich in einer mittelalterlichen Burg.Sie wurde in den Jahren 1350-1401 erbaut und diente lange Zeit als Residenz des ermländischen Bischofs.2001 wurde die Burg zum Hotel umgebaut.






Rothebude / Czerwony Dwor
Etwa 17 km westlich von Kowale Olecko und am Nordufer des Sees J. Szwalk Wielkie. Der Ort besteht aus kaum mehr als 10 Häusern, hat eine aus Findlingen gebaute kleine Kirche, einen Lebensmittelladen und ein neues mehrstöckiges Rathaus.



Rothebude Friedhof
Rothebude
Kirche

Etwa 100 m westlich der Kirche ist im Wald der Friedhof mit drei Gräbern der Familie Wagner (ca 1931 Oberförster in Rothebude). 1830 war die Försterei nach hier verlegt worden und erster Oberförster war der älteste Sohn (Karl Moritz Arndt, geb. 23.06.1801 in Cochem, † 29.08.1876 in Limburg-Weilburg) des bekannten Schriftstellers und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Ernst Moritz Arndt (geb. 26.12.1769 auf Rügen, † 17.09.1817 in Bonn.


Von den 14 Kindern des Carl Moritz Arndt wurden 6 in Rothebude geboren:

03.11.1832 - Hedwig Sophie

02.03.1834 - Georg Astolf
09.03.1835 - Arno Willibald
30.01.1836 - Carl Siegmar
03.05.1837 - Clementine
29.01.1839 - Arthur Ursus

Eine Busstation hält die Verbindung zu den Nachbargemeinden. Nördlich der Siedlung beginnt das ausgedehnte Naturschutzgebiet Czerwony Dwor.





Seesken / Szeszki


Seesken

Von Goldap kommend erreicht man in etwa 30 Minuten das kleine Dorf Seesken (poln. Szeszki) auf der gut ausgebauten Straße Nr.65 über die Ausfahrt Kowale Olecko. Der Ort besteht aus etwa 15 Häusern und Gehöften, die weitläufig verteilt sind. Außer der Landwirtschaft wird hier in geringem Maße Viehzucht betrieben. Soziale Einrichtungen wie Kirche oder Geschäfte finden sich hier nicht. Erwähnenswert ist die Anhöhe Szeska Gora (Seesker Berg), ein bewaldeter Hügel von knapp 309 Metern und immerhin der zweithöchste Berg von Ostpreußen. Von seinem Fuss bis zur Spitze fand man erratische Blöcke. (von Menschen bearbeitete Steine). Der Seesker Berg war von der Bahnstation Kowahlen erreichbar.

Ein unbeschrifteter Gedenkstein ist nicht weit von den Resten des deutschen Friedhofs, der ohne die Hilfe von Einheimischen kaum zu finden ist. Hier sind einige stark verfallene Gräber, vielleicht zehn, die von Baumwurzeln überwuchert sind.



Gedenkstein in Seesken


Deutscher (ehem.) Friedhof von Seesken





Zwischen 1737 und 1740 wurde hier eine Schule gegründet. 1939 hatte das Dorf 398 Einwohner. Nach dem 2. Weltkrieg kamen vor allem Siedler aus Suwalki, der erste Bürgermeister nach dem Krieg, Anthony Barszczewski wurde am 31.12.1946 gewählt.




Bücher für die Reise


Höfer Straßenkarte
1:200 000
2-sprachig bis ins Detail
Mit separatem Ortsnamenregister
polnisch-deutsch / deutsch-polnisch
Innenstadtplan Olsztyn / Allenstein
EUR 12,90

Unterwegs in Masuren ist man auf gute und detaillierte Straßenkarten angewiesen. Die hier vorgestellte Karte kann uneingeschränkt empfohlen werden. Der übersichtliche Maßstab und die angenehme grafische Umsetzung zusammen mit den zweisprachigen Ortsnamen sind bei der Orientierung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Alle, auch die kleinsten Dörfer und Siedlungen sind zu finden und die regionalen Sehenswürdigkeiten werden angezeigt. Ohne diese Straßenkarte sollte man nicht in Masuren unterwegs sein. Sie ist auch in Polen erhältlich.





Klar gegliedert und durchgehend farbig ist der Reiseführer "Polnische Ostseeküste" vom Verlag Michael Müller. 264 Seite voller Reiseempfehlungen von Szczecin bis Elblag. 

Die gleich zu Beginn genannten fünf Gebiete an Polens Küste markieren die unterteilten Regionen und deren Einteilung im Buch. Hilfreich für den noch unentschlossenen Reisenden, denn Küste ist außer Strand und Baden auch Kultur und Natur im Hinterland. Nach dieser Vorschau folgen Daten zur Geschichte des Landes und fast 40 Seiten Informationen, beginnend mit der Anreise, Unterkunft und der Polnischen Küche. Dazu die freundliche Aufforderung, eigene Entdeckungen der Autorin (Isabella Schinzel) mitzuteilen.


Die Wahl für einen Reiseführer fällt neben der Aktualität und dem Erscheinungsbild oft auch bei dessen Inhaltsverzeichnis. So ist die erfolgreiche Suche dort nach den Gebieten und Orten der Reise ein entscheidendes Kriterium. In diesem Reiseführer werden im Register die Städte und Dörfer mit ihren Polnischen Namen genannt. Wer Wert auf die deutsche Bezeichnung legt, findet sie dahinter in Klammern. Das ist nicht zu beanstanden, denn die Ortsnamen sind in Polen nun mal in Polnisch. Dennoch: nicht jedem sind diese Namen geläufig - diese sollten auch im Index auffindbar sein.

Zwischen Vorschau, Informationsteil und den Register am Ende des Reiseführers werden auf 180 Seiten ausführlich die Reiseziele beschrieben. Von West nach Ost - dazu jeweils Informationen zu Hotels, Restaurants. Die farbigen Stadtpläne sind angenehm lesbar und erleichtern die Orientierung, eine extra Straßenkarte wäre wünschenswert.

Ohne oberflächlich zu sein, verliert sich der Reiseführer nicht in Details. Er weckt in angenehmer Weise das Interesse an Land und Leute. So wird aus der "Polnischen Ostseeküste" ein Reiseziel, für das Vorurteile völlig fehl am Platz sind.









"Polens Ostseeküste und Masuren"
Iwanowski's Reisebuchverlag
ISBN-10: 3861970015
5.Auflage 2010
€ 15,95
-Individualreisen, Studienreisen-

Mit seinen 440 Seiten plus einer sehr nützlichen und touristischen Reisekarte (auch mit deutschen Ortsbezeichnungen) ist das Buch von Iwanowski übersichtlich gestaltet. Von Stettin im Westen bis Suwalki nahe der Grenze zu Litauen führt der Reiseführer durch das nördliche Polen. Auch das russische Gebiet um Kaliningrad wird nicht ausgenommen, wobei der zum Teil desolate Zustand der Städte nicht verschwiegen wird. Der Index ist durchgehend, das bedeutet: alle Namen sind in einem Verzeichnis aufgeführt. Man erspart sich so ein umständliches Suchen zwischen den deutschen und polnischen Bezeichnungen. Das Buch beginnt mit einer Einführung über die Geschichte Polens. Es folgen mit mehr als 100 Seiten Reisetipps von Angeln bis Zoll und Beschreibungen der Unterkünfte, Touristeninformation und Gastronomie in den im Buch genannten Städten und Ortschaften. Daran anschließend die Reiseempfehlungen und Sehenswürdigkeiten. Auch hier sind die entsprechenden schwarz-weiß Karten und Stadtpläne übersichtlich und ansprechend. Im Anhang ein kleines Wörterbuch und Literaturhinweise.

Immer mehr stehen Reiseführer der wachsenden Flut von Informationen aus dem Internet gegenüber. Sie können nicht über "alles" berichten. Braniewo mit der gotischen Katharinenkirche, die Pyramide von Rapa, Drogosze mit dem imposanten Schloss Dönhoffstädt - um nur einige Orte zu nennen, die bei Iwanowski unerwähnt bleiben. So hat Goldap mehr zu bieten als die (inzwischen auch für Touristen offene) Grenze nach Russland oder den knackigen Winter. Das angenehme Hotel Goldap in Goldap am Marktplatz, Plac Zwyciestwa 2, sollte ebenso erwähnt werden wie das hervorragende Hotel Centrum in Malbork mit nur wenigen Minuten Fußweg zur Marienburg. Eine überarbeitete Neuauflage könnte Abhilfe schaffen. Diese auch als ebook und links zu weiteren Informationen im Internet. Zwar nicht mehr ganz aktuell (2010) ist dieser Reiseführer nicht nur für die Vorbereitung, sondern auch für das Reisen im Land gut geeignet und zu empfehlen.


(siehe auch Rezension bei amazon und Iwanowski)






"Ostpreußen: Biographie einer Provinz"
be.bra Verlag
1. Auflage 2011
ISBN-10: 3898090949
€ 29,95
-Studienreisen, Individualreisen-





Mitgebracht
Fast immer wird man von einer Reise etwas mitbringen, nicht nur die Erinnerungen und Erfahrungen sondern auch etwas handfestes - ein Souvenir muss also her. Was gibt es hier, was es in der Heimat nicht gibt? Mittlerweile bekommt man praktisch alles überall auf der Welt. Und so kann man auch das Mitgebrachte aus Masuren mit ziemlicher Sicherheit auch in Deutschland irgendwo finden. Dennoch: das ist echt polnisch:

DAS Nationalgetränk - Vodka. Flaschen in allen Größen und von allen bekannten und unbekannten Herstellern. Das kleinste Fläschchen für 5 Zloty. Da hat man (wahrscheinlich) eine Weile was davon. 


...und wenn man es nicht gerade selbst am Strand der Ostsee gefunden hat: Bernstein - in Danzigs Altstadt verkauft fast jeder zweite Laden diesen in Form von Schmuck, Anhängern, Ansteckern, unverarbeitet, mit eingeschlossenen Insekten. Der Preis für Bernstein beginnt bei 5 Zloty für das Gramm.






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